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Hallo zusammen
14.05.2009
Seit ich das Letzte mal schrieb, bin ich bereits wieder ein wenig in der Gegend rumgekommen. Nach meinem Abstecher in die Speyside bin ich wieder nach Nairn. (Ich kannte den Zeltplatz ja schon und die Betreiber dort sind wirklich sehr freundlich.) Vor allem ist Nairn ein gar nicht so schlechter Start um den Norden zu erkunden. Selbstverständlich hab ich mich auch weiterhin nach einem Job umgesehen. Leider scheint das mit der Wirtschaftskrise nicht nur ein nicht endenwollender Aprilscherz zu sein. Entweder brauchen sie niemand oder sie bevorzugen einheimische Personen. Was ich auch verstehen kann. Ich weis nicht ob ich glücklich wäre wenn ich irgendjemandem den Job weg genommen hätte der ihn Dringender braucht. Es sieht also im Moment alles danach aus, dass ich auf ende diesen oder Anfang nächsten Monat wieder zuhause sein werde. Aber noch ist nicht aller Tage Abend und ich hab ja noch grob geschätzt ein bis zwei Wochen.
Nun zur Reise. Die Fahrt durch die innere Speyside (Ich sag ihr einfach mal so. Ich mein nicht der Küste entlang sondern innen rum wider nach Nairn) war wie fast alles hier oben Landschaftlich grandios. Ich glaub ich werde gegen Schluss noch nach Glasgow gehen müssen. Dort, so hab ich gehört, sei die Landschaft nicht wirklich berauschend.
Als ich dann in Nairn war, standen erst mal wieder kleinere Reparaturen am Camper auf dem Programm. Der Vorhang musste wieder mal geleimt werden, Ölstand kontrollieren, Spülbeckenabfluss richtig auf dem Kanister befestigen usw. Am nächsten Tag stand ein Ausflug nach Inverness auf dem Programm. Diesmal mit Kamera und mehr Zeit als beim letzten Mal. Ist wirklich ne schmucke kleine Stadt. Hübsche kleine Pubs und Bars und ich denke wer auf live Sound steht sollte auch auf seine Kosten kommen.
Am nächsten Morgen ging’s ab nach Norden. Die Küste hoch nach Wick. Schön bei allen Destillen angehalten welche ich auf der Strecke habhaft werden konnte. Nur war das Glück meiner nicht hold. Bei Glenmorangie sind sie die Ausstellung am Umbauen. Ich hab zwar den „Fabriklanden“ gefunden, sonst aber leider nicht wirklich viel von der Destillerie gesehen. Bei Clynelish hatten sie als ich zufuhr gerade Mittag (das heisst ich hab noch nicht mal den Fabrik laden gesehen) und bei Old Pulteney war ich etwa ein bis zwei Stunden zu spät für die letzte Führung. (Ok von denen gibt’s halt nun mal nur zwei und die letzte ist um 14.00 GMT aber trotzdem, wer zu spät kommt den bestraft das Leben.)
Ist aber ein schmucker kleiner Laden und der Präsentationsraum in dem sie das Video Zeigen ist wirklich genial hergerichtet. Man hat das Gefühl man befindet sich in einem Kellergewölbe. (Kann aber nicht sein, da ich höchstens zwei Treppenstufen hinunter gegangen bin.)
Da mein Tagesziel zwar erreicht, aber es noch nicht wirklich spät war beschloss ich noch ein wenig weiter zu fahren und einen Camping weiter nördlich zu suchen welchen ich auf einer Camping Karte entdeckt hatte. Als ich ankam, bin ich zuerst daran vorbei gefahren. Ob ich ihn wirklich nicht gesehen habe, ob ich abgelenkt wurde durch die Landschaft oder ob mein Unterbewusstsein mir riet: „Fahr weiter, fahr weiter!!!“ werde ich nie erfahren. Fall es das Unterbewusstsein war, so soll es beim nächsten Mal wein wenig besser hin schauen. Der „Campingplatz“ war nur ein wenig klein. (Ich hab ihn wirklich erst für einen privaten Parkplatz gehalten.)
Aber er hatte alles was man so braucht. Inklusive einen Pub nebenan. In den ich mich dann auch zurückzog. Es handelte sich dabei nicht wirklich um einen Pub sondern um ein sogenanntes Inn. Was mir und den Pints ziemlich egal war. Ich hatte einen schönen Abend und habe noch mit einem Paar welches auf demselben „Campingplatz“ stand ein wenig geplaudert.
Am Nächsten Morgen ging es bei Traumhaftem Wetter weiter Richtung Westen. Vorbei an Buchten welche genauso gut an der Mittelmeerküste hätten liegen können. Mir ist schon klar, dass das relativ schnell ändert sobald das Wetter umschlägt, aber da das in dem Moment nicht der Fall war, lies ich mich ein wenig von der Umgebung verzaubern. Vielleicht 10 Meilen weiter der Küste entlang, entdeckte eine kleine Bucht an welcher ich entschloss mein Mittag essen zu mir zu nehmen. Sie erinnerte mich an eine Piraten- oder Schmugglerbucht. Das einzige was Fehlte, waren die Palmen und die oben erwähnten Piraten oder Schmuggler. Erst ein Paar Fotos und dann sofort übers Essen hermachen, dachte ich noch weil es dort in dieser malerischen Bucht nur mich und die Natur gab. Ach wie war das herrlich. Bis ungefähr zehn Minuten später eine Kleine Camper- Karawane eben auch genau dort durchfuhr. Man hörte nur Simultanes Bremsen, und einer Kleinen Heuschreckenplage gleich viel ein munteres Gemisch verschiedener Nationen über diese Malerische Bucht her. Vorbei die Ruhe und auch vorbei die Traute Dreisamkeit zwischen mir, dem Essen und der Natur.
Also schnell meinen Camper aus der Parklücke zwängen und wieder auf die Strasse, denn die nächsten Camper waren schon im Landeanflug.
Also weiter Richtung Ullapool wo ich dann auch später gelandet bin. Der Campingplatz war direkt an der Küste und voll in Ordnung. Dort lernte ich Paul kennen. Er war von Anfang an total begeistert von meinem Camper (fragt mich nicht wieso. Bei einem Schönheitswettbewerb würde der Camper wahrscheinlich nicht mal mitmachen dürfen, aber ihm hat es gefallen.)
Da er wieder vor der Türe steht und ein Paar Fotos meines „Rolling Castle“ machen will, mach ich hier mal Schluss.
15.05.2009
Nun stehe ich noch ein wenig weiter südlich an der Westküste. Und wie sollte es anders sein, es stürmt mal wieder.
Der Gestrige Abend mit Paul war ziemlich lustig. Er hat sich dieses Jahr vorgenommen, ans Ende der Green Roalds zu fahren. Was sich für mich nach etwas metaphysischem anhörte, bedeutet nichts anderes dass er ans Ende der Hauptstrassen fuhr. (Und Ullapool ist so ein Ort.) Wir haben erst ein Bierchen auf dem Camping Platz genommen und sind dann noch in einen Pub gegangen um uns dort noch ein, zwei Pints Ale zu gönnen.
Wie es aber nicht anders sein kann wenn ich mich an der Westküste einfinde, fing es in der Nacht an zu winden. Wo ich noch vor kurzer Zeit friedlich bei einem Bierchen sass, hätte man nur drei Stunden später Bodenanker gebraucht um am Boden sitzen zu können. Ich glaube irgendwo sitzt jemand in den Highlands und jedes Mal wenn ich an die Westküste komme wird ein Schalter umgelegt und der Sturm entfesselt.
Als ich also von Ullapool aus in Richtung Süden und Oban (ja ich probiere es noch mal) fuhr, Stürmte es als gebe es kein morgen mehr. Das kann bei Single Track Roads (Einspurstrassen) und einem Camper, der so Windanfällig ist wie die Allinghi bei einem Taifun, richtig lustig sein. Als ich irgendwo an der Küste eine Pause machen und nach draussen gehen wollte um ein Foto zu schiessen, wurde mir ohne Witz beinahe die Türe abgerissen. Ich hab mich dann kurzfristig dazu entschlossen, im Camper zu bleiben und mein Päuschen in der Sicherheit meines Castles zu verbringen.
Weiter on the road und schon wurde ein weiters Klischee widerlegt. Es soll das Gerücht die Runde machen, dass es in Schottland keine Berge gibt. (Ja auch ich bekenne mich schuldig) Wenn man aber auf dieser Western Coastal Dingsbums Road fährt, wird man über einen Hügel geführt, der einem Schweizer Pass alle ehre gemacht hätte. Serpentinen, 15% Steigung und irgend so ein Idiot mit seinem Camper der den Verkehr aufhält (Jaa, noch mal schuldig). Also richtig alles was man an einem Schweizer Pass auch finden würde.
Nun sitz ich in meinem Camperchen und lass es draussen Stürmen. Ich hoffe nur morgen wird das Wetter wieder besser und ich kann Oban mal bei Sonnenschein sehen.
Stefan Schöpfer
Roter Bus
Irgendow in Schottland
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