|
Hallo zusammen
23.05.2009
Wie ich im letzten Mail geschrieben habe, arbeite ich im Moment an einem relativ interessanten Ort in den Highlands. Ich hab mir in einer freien Minute mal auf You Tube ein zwei ausschnitte aus „Fawlty Towers“ angesehen. Nun weis ich auch weshalb Steven meint es sei hier wie bei Fawlty Towers. Stellt euch Dino als kleine schokobraune immer grinsende und nichts schnallende Version von Basil vor. (Falls ihr Fawlty Towers den gesehen und verstanden habt)
Letzten Sonntag hat Steven ihm gesagt, er solle Bier bestellen. Dies ist in der Pampa relativ wichtig, da am Montag bestellt werden muss. Falls das nicht gemacht wird, hat man für rund eineinhalb Wochen kein Bier da erst am Mittwoch geliefert wird und es keine Express Lieferungen gibt. Nun ist Samstag und wir haben diese Nacht 56 Personen im Haus. McEwans (mein Lieblings Ale) sowie Guinness sind schon leer. John Smith (die alternative zu McEwans) und Forsters werden heute ausgehen. Dann hätten wir nur noch Kronenbourg bis nächsten Mittwoch und vollem Haus. Wie lange das hält steht in den Sternen. Die Hütte ist voll mit Tschechen. Als wir am Mittwoch vorgerechnet haben was er eigentlich braucht um genug Getränke zu haben, sagte er „No Problem“ er werde am Morgen bei einem anderen Lieferanten Bestellen. Sei wohl etwas teurer aber möglich.
Es ist nun Samstagabend, bis Montag keine Chance an Getränke zu kommen und er hat immer noch nicht bestellt. Ich hab ihn am Morgen noch daran erinnert. Er aber hat’s geflissentlich ignoriert.
Ich es ist ja nicht mein Job an der Bar zu stehen und den Leuten zu sagen wir hätten keine Getränke mehr. Es ist auch nicht mein Hotel aber wenn man ja nur helfen möchte, sollte er schon zuhören. Nicht mir. Meine Pub Erfahrungen wurden auf der falschen Seite des Tresens gemacht. Aber er sollte doch Leuten zuhören, welche Ahnung haben. Steven hat sein halbes leben hinter dem Tresen gestanden. Er hatte so ziemlich alle Jobs in einem Pub inne welche es so gibt. (Und es gibt viele wie ich Erfahren habe)
Gestern nach Feierabend, als wir an der Bar sassen, hat er mit dem Satz brilliert: Er könne niemandem Vertrauen. Er habe seinem Vater nicht vertrauen können. Und wer seinem Vater nicht Vertrauen könne, der könne niemandem Vertrauen. Da Stelle ich mir doch eine Frage: WIE SOLL DENN DIESER LADEN JE FUNKTIONIEREN WENN ER NIEMANDEM VERTRAU???
Die nächsten Tage mach ich mit Sicherheit noch fertig. Aber ob ich tatsächlich bis Herbst in einer Stellung bleibe bei der ich aus Prinzip unter Generalverdacht stehe ist im Moment nicht sicher. Ich bin kein Erfolgreicher Unternehmer. Ich war auch nie im oberen Top Management. Aber eins hab ich gelernt: Dumm und Stur ist wohl die Gefährlichste Mischung in der Geschäftswelt.
Vor einer halben Woche als ich das erste Mal die Zimmer gesaugt habe, hab ich ihm gesagt dass der Staubsauger für ein Hotel gänzlich ungeeignet sei. Nicht dass er nicht saugen würde. Aber er ist viel zu schwer, die Saugeinheit viel zu gross und nicht auf Dauerbetrieb ausgelegt. Nun genau aufs Wochenende ist das Möbel ausgestiegen. Ich weis nicht mit was ich morgen die Räume putzen soll. Ich bin mir aber sicher, dass er auch für das irgendeine Idee finden wird die wir bei Siegfried geschönt etwas so beschrieben haben: Mit der Katze während eines Dauerlaufs liebe machen!
Wir werden sehen.
26.05.2009
Eigentlich wollte ich das nächste Mal schreiben wie wir die Lage mit dem Ausgebuchten Hotel ohne Staubsauger gemeistert haben. Aber ich kann nicht. Ich arbeite nicht mehr dort. Seit dem 23. ist die Lage absolut eskaliert. Und zwar dermassen, dass wir kurzerhand in der Nacht gekündigt (haben als auch wurden) und nun wieder in Nairn sind. Aber alles der reihe nach.
Am 23. abends waren auch noch ein paar junge Leute in der Bar was Stephen und ich natürlich genossen, da es seit über einer Woche das erste nicht halb im Grab stehende Fleisch (Sorry für alle die sich nun vielleicht ein wenig getroffen fühlen sollten) war und wir also nach Feierabend ein wenig mit ihnen Plauderten. So gegen zwölf der halb ein Uhr, eigentlich wollte ich schon im Bett sein, Teilte mir Shampsoul mit ich solle am Morgen nicht erst um 6.30 sondern schon um 6.00 beginnen. Als ich ihn fragte wieso und weshalb er nicht schon früher damit gekommen sei, war er ein wenig kurz angebunden. Als aber Stephen sagte er komme am Morgen auch um 6.30 Uhr und helfe mir, war soweit alles in Ordnung. Ich begann also meinen Tag um 6.30 Uhr. Stephen jedoch erschien nicht. War nicht weiter schlimm, da die Arbeit relativ schnell erledigt war und ich auch alleine gut zurecht kam. Weshalb ich um 6.00 Uhr hätte beginnen sollen, stand für mich also in den Sternen. Als Stephen dann um ca. 10.30 auftauchte, war Shampsoul schon ein wenig sauer und fragte ihn weshalb er nicht gekommen sei obschon er es gesagt hätte. Stephen antwortete ihm, dass er ihn wenn er denn gekommen wäre Windel weich geprügelt hätte und er so nicht mehr weiter arbeiten könne. So kam es also in der Küche am Morgen zu einer ersten Aussprache. Wir probierten Ihm klar zu machen, dass wir nicht in der Lage seien, unsere Arbeit unter diesen Umständen seriös zu erledigen und wir unbedingt mehr Arbeiter bräuchten nur schon um die unbedingt notwendigen Reinigungsarbeiten zu erledigen. Wir probierten im des Weiteren zu erklären was alles nicht in Ordnung ist in dem Hotel. Ich konnte zu den Abläufen wenig sagen, da ich nicht so lange da war und vom Metier nicht wirklich ne Ahnung habe. Aber selbst mir ist klar dass Schimmel im Badezimmer und abgeschlossene Fluchtwege nicht wirklich in Ordnung sind. Er ging aber gar nicht auf unsere Argumente ein sondern erklärte auf seine nicht enden wollende Art seinen Standpunkt. Ich musste ihm am Schluss sagen, dass er halt schon ein wenig Geld bräuchte um Geld zu machen. Wenn er zu wenig Kohle habe um die Arbeit richtig zu machen, solle er das Hotel besser verkaufen und etwas anderes machen. Darauf einigten wir uns darauf, dass Stephen seine Freitage am Sonntag und am Montag (24. und 25.) Einziehen könne und ich meinen am Montag. Da Stephen frei hatte und ich sowieso noch Material vom Homebase (so was wie Heimwerk, Hornberg, Heimbach…. Ähm Hornbach (is n Insiderwitz) bei uns) brauchte, beschlossen wir am Nachmittag nach Oban zu fahren und am Abend aufs Abendessen wieder zurück zu sein. (Shampsoul hat mir am Nachmittag freigegeben da ich ihm sagte ich hätte kein Problem damit länger zu arbeiten. Aber falls er glaube ich werde die ganzen Monate 6 Tage die Woche 13- 16 Stunden pro Tag für 150£ die Woche arbeiten hätte er sich aber schön geschnitten.) Da Stephen sagen wir mal ein mittleres Alkoholproblem hat, begann er sich bereits am Nachmittag mit Wodka zu zudröhnen.
Wir kamen also so gegen drei Uhr zurück und ich haute mich für ne Stunde oder so aufs Ohr um sechs Uhr für den Abendservice bereit zu sein. Das Abendessen war eine absolute Katastrophe. Von Teilweise ungeniessbar bis zu allem Überfluss auch noch von den geniessbaren Sachen zu wenig vorhanden war an diesem Abend jedes Gastronomische Debakel vertreten. Das Restaurant halb voll mit einer Tschechischen Reisegruppe und ich mitten drin und allein da Shampsoul ja die Bar zu bedienen hatte. Als mir dann ein Tscheche in wirklich Filmreifen Akzent (so n geilen russischen Akzent im Englischen hab ich nur bei Hollywood gesehen) sagte: „Er hoffe Morgen sei das Essen viel besser als die letzten Tage“ bekam selbst ich es mit der Angst zu tun. Der Junge sah aus wie ein Bär. So richtig wie man sich einen KGB Knochenbrecher vorstellt. Die Jungs kennen bestimmt mehr Leute in der Russischen Mafia als ich Polizisten kenne. Wer weis, vielleicht war es ja die Vladiwostocker Mafia auf einem Geschäftsausflug? Ein älterer Herr vom Typus Mafia Pate oder KGB Oberst, schüttelte den Mahnfinger in meine Richtung. Scheisse, ich sah vor meinem Geistigen Auge bereits meinen Grabstein mit der Inschrift: Hier ruht Stefan „Kojak“ Schöpfer (Das Kojak stand wirklich da!) Er war zu blöd sich den richtigen Boss auszusuchen. Und dann eine Linie darunter etwas kleiner: Dieser Stein wurde von der Russenmafia gesponsert. Wir hoffen SIE machen unseren Urlaub angenehm.
Für mich war nach diesem Abend klar, dass es für mich keinen Weg gab diesem Hotel irgendwie zu helfen. Ich wollte noch warten bis die Tschechen abgereist waren und Shampsoul dann darauf hinweisen was alles falsch lief. Aber ich war mir sicher, dass ich danach gehen würde. Als ich endlich Feierabend hatte dachte ich, dass wir nach Oban Fahren und dort ein wenig Trinken und am Nächsten Tag wieder zurück kommen würden. Als ich aber in die Bar kam waren Shampsoul und Stephen in einer hitzigen Diskusion vertieft. Als ich dazu stiess, sagte Shampsoul gerade dass wir am Dienstag nach dem die Tschechen abgefahren seien nicht mit einander sprechen würden, sonder dass wir gleich am Dienstag Morgen mit streichen zu beginnen hätten. Logischer weise war ich damit nicht einverstanden da er uns erstens Versprochen hatte nach dieser Gruppe mit uns zu sprechen, zweitens ich mir klar war dass ich gehen würde und drittens Farbe so ziemlich das letzte Problem dieses Hotels war. Als er darauf beharrte, dass wir am Dienstag nicht sprechen sondern zu pinseln hätten, schlugen wir ihm vor gleich zu sprechen. Er war damit einverstanden, schmiss die letzten Tschechen aus der Bar und kam mit uns ins Büro. Auch dort hörte er uns nicht zu sondern laberte einfach immer denselben Mist den er schon am Morgen von sich gegeben hatte. Tja und da ist Stephen ausgerastet. Ich hab noch nie jemanden so kochen sehen. Um mein leben hatte ich eigentlich gar keine Angst. Ich hatte bereits damit abgeschlossen. Ich hatte aber Angst, dass er wie eine Supernova explodieren würde und deren Auswirkung hätte dann doch erheblicheren Schaden am Mobiliar, der näheren und weitern Umgebung sowie dem Gesamten Sonnensystem verursacht. Als es mir nur unter enormen Kraftaufwand gelang Ihn daran zu hindern Shampsoul spitalreif zu schlagen, liessen wir uns auszahlen und verliessen diesen Schandfleck der Gastronomie. Wir fuhren nach Oban, gaben uns schön die Kante und schliefen im Rolling Castle auf einem Parkplatz.
Am nächsten Morgen fuhren wir wieder auf der gleichen Strasse zurück um schnell beim kleinen Laden an der Strasse bescheid zu geben, dass er die Zeitung und die Zigaretten die er jeweils für Stephen gekauft hatte nicht mehr zu bestellen brächte und fuhren dann weiter nach Fort William. Kaum dort angekommen begann Stephen auch schon sich schön die Kante zu geben. Da ich erstens Stank wie ein Iltis, zweitens Hundemüde und um die tierischen Analogien weiterzuführen auch die arme Sau bin die Fahren darf (Stephens Führerschein ist im Moment bei der Polizei) beschloss ich nicht mit zu spielen sondern ne Möglichkeit um zu duschen zu suchen sowie ne Mütze Schlaf nach zu holen. So gegen sechs Uhr fuhr ich wie ein Doofer durch Fort William weil überall wo parkte ein Schild angebracht war welches Wohnmobilen und Wohnwagen untersagte über Nacht zu parken. Das Problem erledigte sich eine halbe Stunde später von selbst als Steven mich auf meinem Handy anrief und mir mitteilte er hätte die Vodka als auch die Sambucca Vorräte der Bar wo wir gestartet waren geplündert und er nun höflichst gebeten wurde das lokal zu verlassen. Da er sowieso eine Mützeschlaf benötige könnten wir uns auch einen Camping ausserhalb von Fort William suchen. Ich schlug ihm vor er könne schlafen und ich führe gleich bis Nairn durch um dort auf meinen altbekannten Camping Platz zu halten. Es waren sowieso ein paar leichte Reparaturen welche Stromzugang benötigen zu erledigen.
Tja und nun sind wir in Nairn. Nach dem wir gestern Abend noch auf ein zwei kurze Bier ausgegangen sind, werden wir nachher mit der Reparatur beginnen. Ich hoffe wir kriegen alle Sachen welche wir Brauchen. Ich denke ich werde Kabel löten müssen. Ma gucken wies läuft. Ich halt euch auf dem Laufenden.
Stefan „Kojak“ Schöpfer
Roter Bus
Zum Glück wieder Irgendow in Schottland
|
|